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Archiv: Neue Bewuchsprobleme im Süßwasser?

Seit einigen Jahren wird von Südost Europa ausgehend eine Ausbreitung der sogenannten Quagga-Muschel, einer nahen Verwandten der Zebramuschel, beobachtet.

Dreissena rostriformis bugensis, eine ursprünglich im Schwarzen Meer und dessen Zuflüssen beheimatete Muschel, hat sich mit dem Schiffsverkehr von der Donau über den Main-Donau-Kanal in Main, Rhein und den norddeutschen Schifffahrtskanälen bis zur Elbe und Weser ausgebreitet. Die Muschel wurde bisher im Rhein-Herne-Kanal, dem Weser-Datteln-Kanal und dem Dortmund-Ems-Kanal festgestellt. An einigen Stellen wurden schon sehr hohe Bestandsdichten bis zu 1000 Ind./m2 festgestellt, für andere liegen bisher nur Einzelfunde vor. Für einige Gebiete wurde ein paralleler Rückgang der Zebramuschel berichtet, in anderen hat sich zwischen beiden Arten ein Gleichgewicht eingestellt.

Es wird angenommen, dass für die rasche Ausbreitung der Art vom Niederrhein in die westdeutschen Kanäle und Flüsse neben dem Transport auf Schiffsrümpfen u. a. das Pumpen großer Wassermengen in die Kanäle verantwortlich ist (Schöll et al. 2012).

Ähnlich wie die Zebramuschel haftet sich die Quagga-Muschel auch mit Byssusfäden an und kann erhebliche Bewuchsprobleme an Schiffen, Schleusen, Kühlwassereinläufen und Turbinen von Wasserkraftwerken hervorrufen. Da die Quagga-Muschel im Gegensatz zur Zebramuschel aber auch in Tiefen bis 120 m vorkommt und sich auch noch bei Temperaturen unter 5°C vermehren kann, sind auch Trinkwassereinläufe wie z. B. im Bodensee gefährdet.

In vielen Publikationen wurde die Verbreitung über Schiffsrümpfe hervorgehoben. Und in einer Untersuchung am Rhein bei Speyer von 24 ganz oder teilweise trocken gelegten Binnen-Schiffen wurden lebende Quagga-Muscheln an 5 Schiffen gefunden (Mayer et al. 2009). Am Heck eines Frachtschiffes wurden sogar 1630 Individuen pro 225 cm² (= 72.444 Individuen pro m²) festgestellt. Die bereits mit Quagga-Muscheln besetzten Schiffe waren sowohl solche, die regelmäßig Rhein und Donau (Amsterdam/Rotterdam/Antwerpen - Donau, Rheindelta - Schwarzes Meer) oder ausschließlich den Rhein (Amsterdam - Basel) befuhren, als Schiffe, die regelmäßig auf der Mittelstrecke (Mainz - Basel) und Kurzstrecke (Heilbronn - Ludwigshafen) in der Oberrheinregion eingesetzt wurden. Binnenfrachtschiffe sind bekanntlich nicht mit Antifouling-, sondern nur mit Korrosionsschutzbeschichtungen versehen.

 

Abb. Links Quagga-Muschel, rechts Zebramuschel (Kopp, 2010).


Da sich die Quagga-Muschel neben der Zebramuschel auch in den Süß- und Brackwassergebieten der USA stark ausgebreitet hat, wurden in einem groß angelegten Forschungsprojekt über 100 verschiedene Antifoulingbeschichtungen getestet. Vorrangig wurden biozidfreie Antihaft-Beschichtungen auf Silikon bzw. Silikon/Epoxid-Basis getestet, da biozdhaltige, erodierende Beschichtungen eine zu kurze Wirkungsdauer erwarten ließen. Silikonbeschichtungen, auch ohne extrudierende Öle, erwiesen sich als sehr wirksam, aber zu weich, da sie leicht durch Treibgut und aufgewirbelten Sand beschädigt wurden. Langfristig schnitten die etwas härteren Silikon/Epoxid-Hybride besser ab (Bureau of Reclamation, 2014).

Es ist abzuwarten, ob auch in Sportboothäfen der deutschen Binnenreviere größere Probleme durch die Quagga Muschel als durch die Zebramuschel verursacht werden können. Beide Arten werden im Übrigen von tauchenden Wasservögeln und auch Fischen als Ganzjahres- oder Winternahrung genutzt und so die Bestände reguliert.


Literatur
Kopp, K. (2010): Invasive Arten – Störenfriede der Diversität? EAWAG News 69 (Juni 2010), 22-24.

Mayer, S., A. Rander, K. Grabow & A. Martens (2009): Die Quagga-Muschel Dreissena rostriformis bugensis (Andrusov) an Binnenfrachtschiffen im Oberrhein (Bivalvia: Dreissenidae). Lauterbornia 67, 63-67.

Schöll, F., T.O Eggers, A. Haybach, M. Gorka, M. Klima, B. König
(2012): Verbreitung von Dreissena rostriformis bugensis (Andrusov, 1897) in Deutschland (Mollusca: Bivalvia). Lauterbornia 74, 111-115.

Bureau of Reclamation (2014): Coatings for Mussel Control — Results from Six Years of Field Testing. Technical Memorandum No MERL-2014-64, 40 pp.

Siehe auch:
http://fliessgewaesserbiologie.kliwa.de/indikatoren/neobiota/

 


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